Kai

Ich heiße Kai und ich lebe in Sierra Leone, einem kleinen Land an der Küste Westafrikas. Ich bin dort in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Als ich 12 war, brach ich mir das Bein, das sich danach sehr schwer entzündet hat. So schwer, dass man es fast hätte amputieren müssen. Hier möchte ich euch erzählen, was mir damals passierte und wie mein Bein doch noch gerettet werden konnte:

Eine Hütte aus Lehm und Stroh in Kais Dorf in Sierra Leone. Dahinter wachsen große Bäume.

Bis ich 12 Jahre alt war, kannte ich eigentlich nur mein Dorf. Nur in den Nachbardörfern war ich mit meiner Mutter manchmal gewesen, wenn sie dort auf dem Markt Hirse oder Bananen verkaufte und ich ihr beim Tragen helfen konnte. Die Stadt Koidu lernte ich erst kennen, als ich 12 war. Und damals wäre es mir lieber gewesen, ich hätte nie dorthin gehen müssen. In Koidu gibt es nämlich eine Krankenstation und einen Arzt, der sich um mein gebrochenes Bein kümmern konnte. Und um den zu sehen, machte sich mein Vater mit mir auf nach Koidu.

Da ich nicht laufen konnte, musste mein Vater mich tragen oder ich wurde von anderen Leuten, die den gleichen Weg hatten, ein Stück weit getragen. Mein Bein hatte jetzt schon eine lila-grüne Farbe und begann zu pochen. „Warum gibt es denn in unserem Dorf keinen Doktor?“, fragte ich meinen Vater. Der schüttelte nur den Kopf: „Ärzte kann es nur in einer großen Stadt geben, mein Sohn. Bei uns auf dem Dorf kann doch niemand dafür bezahlen."

In Koidu angekommen gingen wir in die Krankenstation. Während ich wartete sprach mich ein Mann an. Er war Ergotherapeut* und arbeitete für Handicap International. Er sagte mir, dass ich an einer sehr schlimmen Knocheninfektion litt, die mein Bein schon fast zerfressen hätte. Mein Vater erschrak sehr, als er das hörte. Ich glaube ich war damals noch zu klein um zu begreifen, was das wirklich bedeutete.

 * Ein Ergotherapeut übt mit Menschen, die zum Beispiel eine Verletzung haben, damit sie Tätigkeiten aus dem Alltag wieder bewältigen können.

Stand: 11/2008

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